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Region
AT323 Salzburg und Umgebung
Branche
Salzburg AG
|
Salzburg Linien Verkehrsbetriebe GmbH (Obus)

“Grausam sensationsgierig”: Wut auf heimliche Handy-Zücker nach Obus-Unfall trotz Sichtschutz

[Informationsverbund, Newslink]
von hacl

Absperrungen, Sichtschutz, Polizei - alles in Minutenschnelle und trotzdem kursieren Bilder und Videos vom gestrigen tödlichen Busunglück in Salzburg-Itzling. Wie kann das sein und welche Strafen drohen? Wir haben nachgefragt.

Leserbrief: Widerliche Social Media

Der tragische Obus-Unfall in Itzling führt wohl nicht nur mir sehr deutlich vor Augen, wie sich die Gesellschaft verändert hat, Gesprächskultur ein Fremdwort geworden und jeder Sinn für Anstand und Moral über Bord gegangen ist.

Die sozialen Medien berichten immer schneller über Ereignisse, um möglichst viele Klicks zu generieren und der Konkurrenz voraus zu sein. Die tatsächliche Information spielt immer weniger eine Rolle. Ohne die Fakten zu kennen, wird dann sofort auf Teufel komm raus loskommentiert und interpretiert: Der Obusfahrer hätte telefoniert, wäre sicher wie eine gesenkte Sau gefahren – wie eh alle Busfahrer in der Stadt –, war sicher ein Ausländer, hätte den Führerschein im Lotto gewonnen, und ähnlich beleidigende Äußerungen.

Wie sich dann mit der Zeit herausstellte, erlitt der Fahrer einen Schlaganfall mit tragischem Ausgang: ein Unfall mit einem zu Tode gekommenen Passanten. Kann der Obuslenker etwas dafür? Ich würde sagen: Nein. Es war ein Unglück. Alle Anschuldigungen waren und sind haltlos. An das Schicksal des Fahrers denken leider wenige. Als Fahrgast habe ich ihn als erfahrenen, freundlichen und immer korrekten Menschen erlebt, der den Obus besonnen und vorausschauend durch Salzburg lenkte. Er und seine Familie müssen jetzt mit den Folgen leben.

Dem nicht schon genug, legen die Medien gleich noch nach. Ist das Opfer ein Promi, Sportler oder Top-Manager, so wird daraus der nächste Bericht, den Fahrer vergisst man weitestgehend. Wäre das Unfallopfer eine Putzfrau – ohne den Beruf herabwürdigen zu wollen – ein Aufhänger in den sozialen Medien wäre das dann nicht mehr.

Jeder Unfalltote ist einer zu viel und den Hinterbliebenen gilt mein aufrichtiges Beileid. Ich wünsche mir, dass dem Obuslenker nach seinem Krankenhausaufenthalt im Umgang mit dem Unfall geholfen wird. Der Tote lastet sicher schwer auf seinem Gewissen. Ich hoffe sehr, dass wir Menschen im gegenseitigen Umgang in den sozialen Medien wieder Anstand beweisen, nicht vorverurteilen und sich Menschen nicht hinter Pseudonymen verstecken, um ihre Wut an anderen ungeniert auslassen zu können, nur wegen schneller Effekthascherei.

Dipl.-Kfm. Sebastian Krackowizer